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An
dem christlichen Büchertisch, der regelmäßig in
der Fußgängerzone in Celle ist, kam ich öfter
vorbei. Ich war neugierig und stellte viele Fragen. Eigentlich
wollte ich alles zerreden, aber irgendwie hatte Jesus Christus
mich angesprochen, und ich vertraute Gott mein Leben an und bat
ihn um Vergebung meiner Schuld. Aber ich lebte trotzdem wie ich
wollte, also wie ein Ungläubiger. Ich hatte Jesus Christus
noch nicht als meinen Herrn angenommen - es war keine ganze Umkehr.
Meine
Kindheit - die ersten Drogen
Ich
bin in einer Familie mit fünf Kindern aufgewachsen. Ich war
das zweitjüngste Kind. Mit meinem Vater hatte ich ein schwieriges
Verhältnis. Er war von der alten Sorte, sprich: sehr nazifreundlich
eingestellt. Ich bekam ihn allerdings nicht viel zu Gesicht. Er
trank viel. 1980 ist er gestorben. Meine Mutter ist auch schon
tot. Sie starb bereits1979. Das hat mich sehr heruntergezogen.
Mein Halt war weg. Meine Mutter war sehr lieb. Ich würde
sagen, zu lieb. Ich konnte alles machen, was ich wollte. Sie setzte
mir keine Grenzen. Weil ich nicht wusste, was ich eigentlich wollte,
probierte ich alles aus, was sich mir anbot. Fast überall
habe ich mal reingerochen, bis ich dann in der linken Szene hängen
blieb. Ich war labil und allen möglichen Sünden und
Sachen ausgeliefert. Das fing bei Ideologien an und ging bei der
Sucht weiter. Ideologisch war ich in der roten Front, im schwarzen
Block. Ich ging zu linken Demos und meine Vorbilder waren Marx
und Lenin und alle möglichen Größen der autonomen
Szene. Ich befand mich im Vorfeld der terroristischen Szene. Offensichtlich
bewahrte mich Gott, sonst wäre ich bestimmt Terrorist geworden.
Stattdessen durchlebte ich alle möglichen Auswüchse
der Sucht. Schon mit 14 Jahren hatte ich zu trinken angefangen,
mit 15 war ich Kiffer, mit 16 nahm ich Pillen und Tabletten bis
hin zu LSD, mit 20 machte ich meinen ersten Druck Heroin, und
später kam dann Kokain in massiver Weise dazu.
Trotzdem schaffte ich noch meine Tischlerlehre, die ich mit 15
Jahren angefangen hatte.
In irgendeiner Kneipe lernte ich dann meine Frau kennen, die ich
mit 18 Jahren heiratete. Wir hatten eine schwere Zeit. Zehn Jahre
waren wir zusammen, dann ließen wir uns scheiden. Aus der
Ehe habe ich zwei Söhne, die heute erwachsen sind. Interessanterweise
sind sie beide Tischler geworden. Das finde ich gut. Leider habe
ich mich nie um meine Söhne gekümmert, so dass ich ihnen
eigentlich kein Vater war. Das hat mich durch alle Jahre hindurch
belastet. Dankbar bin ich, dass sie nicht trinken und keine Drogen
nehmen. Meine Ex-Frau ist inzwischen an Leberkrebs gestorben.
Sie hat stark getrunken.
Ehe
kaputt, Leben kaputt, noch mehr "auf Droge"
Als meine Ehe kaputt war, ging ich nach Hannover. Hier bekam ich
Kontakt zu Christen im Zentrum der Stadt, die sich in einem Bauwagen
um Drogenabhängige kümmerten. In Hannover erlebte ich
ein ständiges Auf und Ab. Ich wohnte in Wohnheimen oder gar
nirgends, also auf der Straße, unter der Brücke oder
bei "Kumpels" und war "voll drauf". Einige
Male brach ich in Toiletten wegen erhöhtem Drogenkonsum zusammen.
Mehrmals war ich klinisch tot. Doch immer wieder fanden mich Leute
im letzten Moment, die den Krankenwagen riefen. Zu den Christen
in Celle sagte ich früher öfter, sie sollten nicht mehr
für mich beten, es habe doch keinen Zweck. Aber sie beteten
weiter, über 15 Jahre.
Ich machte mehrere Therapieversuche bei einer sozialen Therapieeinrichtung.
Trotzdem war ich immer gleich wieder auf Droge. Selbst die christlichen
Therapien brachten mir noch keine grundlegenden Veränderungen.
Nach zwei Versuchen in einer christlichen Einrichtung in Hannover
fiel ich leider auch wieder voll auf die Nase. Jesus Christus
hatte ich zwar kennen gelernt, aber ihm nicht wirklich mein Leben
voll anvertraut. Ich hatte mein altes Leben nicht losgelassen
und hinkte noch immer auf zwei Seiten. Meine eigentlichen Probleme
ging ich nicht an, was eine Panik bei mir auslöste. Ich hatte
mir Hintertürchen offen gelassen, auch noch mein altes Leben
zu leben. Ich erlebte einen Absturz nach dem anderen. Ich kam
nicht klar. Irgendwo saß ich auch ständig meinem Stolz
auf. Ich war nicht wahrhaftig. Zwischenzeitig hatte ich sogar
schon im SOS -Bistro der christlichen Therapieeinrichtung mitgearbeitet.
Das ging zeitweise auch ganz gut, aber dann waren da noch meine
Hintertürchen. Und die rissen mich wieder rein.
Mein Abstieg wurde immer dramatischer. Zum Schluss gab keiner
mehr einen Pfennig für mich. Ich war total heruntergekommen,
innerlich und äußerlich. Wie der Tod auf Latschen.
Ich lebte in einem Wohnheim in Hannover. Da leben nur Drogenleute.
Es ging drunter und drüber. Niemand glaubte noch, dass ich
einmal herauskomme - von der Droge weg komme.
Ein
echter Neuanfang
Ich war voll verzweifelt. Fix und fertig. Trotzdem konnte mich
niemand von Jesus wegziehen. Mit letzten Kräften betete ich
zu ihm, obwohl ich kaum Worte finden konnte. Aber Gott sah und
hörte meine schreiende Seele.
Ich bekam wieder Kontakt zur christlichen Therapieeinrichtung.
Mitarbeiter brachten mich in eine Aussenstelle im Solling. Vorher
war ich noch vier bis fünf Wochen zur Entgiftung. Ich bekam
19 ml Polamidon, das ist sehr viel. Noch halb im Entzug, kam ich
also im Solling an. Mir ging es schlecht, und ich hatte massive
Schlafstörungen. Ich war voll im Konflikt, hauste ab oder
bleibste? Nun, ich bin froh, dass ich geblieben bin. Ich habe
die Chance der Therapie genutzt. Hatte ich früher an wesentlichen
Stellen meines Lebens gekniffen, habe ich mich jetzt allem gestellt.
Ich bin die Dinge angegangen. Ernsthaft. Und das war gut so. Ich
hatte auch nichts mehr zu verlieren. Ich konnte nur noch gewinnen.
Ich habe viel gewonnen. Gott hat mich angenommen. Ihm bekannte
ich meine Schuld und nahm Jesus Christus als meinen Herrn an.
Ganz! Ich bin jetzt innerlich freier. Ich kann lockerer und offener
mit Menschen umgehen. Ich bin konfliktfähiger geworden und
habe, und das ist bestimmt das Wichtigste, eine gute Grundlage
im Glauben. Ich kann jetzt der sein, der ich bin. Echt sein. Und
ich kann sagen, was ich denke. Ich muss mich nicht ständig
um mich selbst drehen. Und ich kann mitarbeiten. Ich muss nicht
mehr immer nur nehmen, ich darf und kann auch geben, das weitergeben,
was Gott in meinem Leben wirkt. Das tut mir unheimlich gut. Dadurch
werde ich Stück für Stück heiler. Ich habe Verantwortung
übernommen, und das fordert mich positiv heraus. Das ist
alles kein Gesinge, das merke nicht nur ich, sondern auch die
anderen. Zu meinen Kindern habe ich den Kontakt wieder aufgenommen.
Ich wünsche mir natürlich sehr, dass sie - wie ich -
zu Jesus Christus finden.
Nach meiner christlichen Therapie bin ich im Solling geblieben.
Mittlerweile bin ich über zwei Jahre hier. Die Mitarbeit
macht mir Spaß. Da ich finanziell mein Auskommen habe, ich
bin früh berentet, kann ich mich voll einbringen. Ich habe
meine handwerkliche Fähigkeit wieder entdeckt. Ich mache
vieles, vor allem Tischlerarbeiten, bin also wieder in meinem
Beruf und halte auch Andachten. Davon habe ich selbst immer am
meisten, glaube ich. Das hilft mir, am Wort Gottes zu bleiben.
Ich bleibe am Ball, und das baut mich auf! Früher habe ich
gedacht, die Sache mit Gott, das ist Blödsinn, und das soll
man auf keinen Fall übertreiben. Aber heute sehe ich das
anders: Das mit Gott, das ist der Weg. Das ist das Einzige, was
hinhaut. Und da lasse ich mich von ganzem Herzen drauf ein.
Ich kann allen Drogenleuten nur raten: Versucht es mal mit Gott.
Macht mal ´ne christliche Therapie. Mich hat Jesus Christus
wirklich frei gemacht von vielen Bindungen, ich bin bestimmt noch
nicht fertig, aber ich komme voran. Ich bin auf dem Weg. Das macht
mich froh. Ich bin Gott dankbar, dass er mir durch die christliche
Therapie noch einmal eine Chance zum Neuanfang gegeben hat. Ich
gehöre jetzt zu Jesus Christus und habe Gemeinschaft mit
Christen in einer Gemeinde. Wer hätte das gedacht? Das ist
richtig schön!
Und noch eines möchte ich sagen: "Verlieren könnt
ihr gar nichts bei Jesus Christus, ihr könnt nur gewinnen!"
Dirk |