|
| FL6: Dürfen unverheiratete Paare nach der Bibel zusammenleben? |
| |
AL6:
Zur Klärung dieser in unserer Zeit immer brennender
werdenden Fragen sollen fünf Punkte biblischer Leitlinien
vorangestellt werden. Wir wenden hier einen biblischen Auslegungsgrundsatz
an, bei dem die Problemlösung nicht auf einen einzigen
Vers zu fixieren ist, sondern sich erst im Kontext mehrerer
Grundaussagen ergibt (siehe Auslegungsgrundsätze A5 und
A6 im Anhang, Teil II):
1. Ehe und Geschlechtlichkeit: Gott hat in seiner
Schöpfungsordnung die Ehe gestiftet. Sie ist sein Wille
und seine gute Idee: „Es ist nicht gut, dass der Mensch
allein sei; ich will ihm eine Gehilfin machen, die um ihn
sei“ (1 Mo 2,18). Sie ist als lebenslängliche Gemeinschaft
angelegt (Mt 19,6), die darum nach der Trauformel solange
gilt „bis dass der Tod euch scheide“. Beim Einsetzen
dieser von Gott gestifteten Gemeinschaft von Mann und Frau
hatte der Schöpfer gesagt: „Darum wird ein Mann
Vater und Mutter verlassen und an seiner Frau hangen, und
sie werden ein Fleisch sein“ (1 Mo 2,24). Das „Ein-Fleisch-Sein“
meint zunächst die leibliche, geschlechtliche Gemeinschaft.
Diese Kurzformel umfasst jedoch den ganzen Menschen und somit
auch Seele und Geist. Zwei Menschen mit unterschiedlichen
bisherigen Lebenswegen finden zu der innigsten Gemeinschaft,
die es gibt. Sie werden eins in ihrem Empfinden und Denken
sowie in geistlicher und leiblicher Beziehung. Die Geschlechtlichkeit
ist ein Geschenk Gottes, und der eheliche Verkehr dient nach
biblischer Sicht nicht nur zum Kinderzeugen:
„Entzieht
euch einander nicht, höchstens auf Grund beiderseitigen
Einverständnisses für eine bestimmte Zeit,
um euch ungestört dem Gebet zu widmen“
(1 Kor 7,5; Menge).
„Dein Brunnquell möge gesegnet sein, dass
du an der Frau deiner Jugend dich erfreuest! Das liebreizende
Reh, die anmutige Gazelle – ihr Busen möge
dich allezeit ergötzen, in ihrer Liebe sei immerdar
trunken!“
(Spr 5,18-19; Menge).
„Genieße das Leben mit deiner Frau, die
du liebgewonnen hast“
(Pred 9,9; Menge). Die
Bibel zeigt uns den rechten Umgang mit der Sexualität.
Sie grenzt sich ab sowohl von Prüderie (Hohel 4) als auch
von Wollust (Jer 5,8); Liebe und Achtung sind die bestimmenden
Randbedingungen (Kol 3,19; 1 Petr 3,7).
2. Ehe und Gemeinde als Stiftung Gottes: In dieser
Welt gibt es viele Formen der menschlichen Gemeinschaft, von
denen Ehe und Familie, Gemeinde und Staat (Röm 13,1-7)
nach dem Willen Gottes sind. Die Gemeinde Jesu Christi und die
Ehe aber sind zwei besondere Stiftungen Gottes und damit entgegen
mancherlei Meinung keineswegs menschliche Erfindungen: Beide
Gemeinschaften sind darum in einer gottlosen Welt angefochten
(1 Tim 4,3; Offb 2,9). Seit der Schöpfung gibt es keine
menschliche Kultur ohne Ehe. Sie hat sich nie überholt
und wird trotz ehefeindlicher Zeitströmungen und trotz
menschlichen Fehlverhaltens alle Zeiten überdauern, weil
sie in der Fürsorge Gottes für den Menschen begründet
liegt. Ebenso wird die Gemeinde nach der Verheißung Jesu
selbst von den Pforten der Hölle niemals überwältigt
werden können (Mt 16,18).
3. Die Ehe als Gleichnis: Die Bibel umschreibt oft
den Glauben und die Beziehung zwischen Gott und Mensch mit dem
innigsten Vertrauensverhältnis, das zwischen Menschen denkbar
ist, mit der Ehe. „Denn wie ein Mann eine Frau liebhat,
… und wie sich ein Bräutigam freut über die
Braut, so wird sich dein Gott über dich freuen“ (Jes
62,5). Darum wird auch die Ehe als Gleichnis (griech. mystaerion = Geheimnis) für das Verhältnis Christi zu seiner
Gemeinde gewählt: „… gleichwie auch Christus
geliebt hat die Gemeinde und hat sich selbst für sie gegeben,
… so sollen auch die Männer ihre Frauen lieben“
(Eph 5,25+28). Von dieser Fragen bezüglich des Lebens und
des Glaubens 116 Analogie sagt uns Gottes Wort: „Dieses
Geheimnis ist roß!“ (Eph 5,32). Schon aus dem Gleichnischarakter
der Ehe für die ewige Gemeinschaft mit Christus ist ableitbar,
dass Ehe eine Gemeinschaft auf die ganze Lebenszeit ist. Jede
geschiedene Ehe produziert ein Zerrbild der Vorstellungen Gottes
und zerstört das Gleichnishafte. So wird auch Jesu kompromisslose
Haltung in der Scheidungsfrage einsichtig (Mt 19,6-9).
4. Die Hurerei als Gleichnis: Wenn eine in Liebe und
Treue geführte Ehe als Bild für das Verhältnis
Gottes zu seinem Volk steht, so bezeichnet die Bibel in Konsequenz
den Abfall von Gott und die Anbetung fremder Götter und
Götzen als Ehebruch oder Hurerei:
„Hast
du auch gesehen, was Israel, die Abtrünnige,
tut? Sie ging hin auf alle hohen Berge und unter alle
grünen Bäume und trieb daselbst Hurerei.
Und von dem Geschrei ihrer Hurerei ist das Land verunreinigt;
denn sie treibt Ehebruch mit Stein und Holz“
(Jer 3,6+9).
„Denn ich habe gesehen deine Ehebrecherei, deine
Geilheit, deine freche Hurerei, ja deine Greuel auf
Hügeln und auf Äckern“ (Jer 13,27).
5. Was ist Hurerei? Für die beiden deutschen Wörter
Hurerei und Unzucht gibt es in der Sprache des NT nur einen
Ausdruck (griech. porneia), den wir in dem Wort Pornographie
wiederfinden. Das Wort „Unzüchtiger“ (griech. pornos) wird im NT einerseits neben Ehebrechern und
Homosexuellen gebraucht (z.B. 1 Kor 6,9) andererseits aber auch
als Oberbegriff für jede Befriedigung des Geschlechtstriebes
außerhalb der von Gott gesetzten Ehegemeinschaft (z.B.
1 Kor 6,18; 1 Thess 4,3). Hierzu gehören
- voreheliche
sexuelle Gemeinschaft (5 Mo 22,28)
- Intimgemeinschaft
mit einer anderen Frau als der Ehefrau
(3 Mo 18,20; Jer 5,8-9; Mt 5,32)
- Homosexualität
(1 Mo 19,5; Röm 1,26-27; 1 Tim 1,10)
- Blutschande
(1 Kor 5,1)
- Vergehen
mit dem Vieh (3 Mo 18,23).
Diejenigen, die Hurerei (Unzucht) treiben, stehen unter einem
schweren Urteil Gottes:
„Weder
die Unzüchtigen noch die Götzendiener
noch die Ehebrecher noch die Weichlinge noch die Knabenschänder werden das Reich Gottes ererben“ (1 Kor 6,9-10).
„Die Unzüchtigen und die Ehebrecher wird Gott richten“ (Hebr 13,4).
„Draußen (in der Verdammnis) sind die … Unzüchtigen und die Totschläger
und die Götzendiener und jeder, der Lüge
liebhat und tut“
(Offb 22,15).
Folgerungen: Nach diesen biblischen Grundlagen liegen die gesuchten
Antworten auf der Hand. Das Zusammenleben unverheirateter Paare
ist somit ebenso wie vor- oder außerehelicher Geschlechtsverkehr
nach der Bibel als Hurerei zu bezeichnen und schließt
vom Reiche Gottes aus, es sei denn, die Betreffenden wenden
sich von diesem sündigen Leben ab und kehren um (vgl. Anhang,
Teil I, Pkt. 10).
Ab wann aber ist ein Paar verheiratet? Mit der zunehmenden Entfremdung
unseres Volkes von den Geboten Gottes beobachten wir mehr und
mehr, dass unverheiratete Paare zusammenziehen und in einem „eheähnlichen“, aber unverbindlichen Verhältnis
leben. Sie sind dennoch nicht verheiratet, auch wenn manche
keinen Unterschied zwischen ihrer Lebensgemeinschaft und einer
Ehe sehen. Wie Gott solche Verhältnisse beurteilt, haben
wir im vorangegangenen Punkt 5 bereits ausgesagt.
Aus dem Zeugnis der Bibel entnehmen wir, dass die Ehe nicht
damit beginnt,
- wenn
ein Paar beabsichtigt, den gemeinsamen Lebensweg
zu gehen: Jakob wollte Rahel zur Frau haben.
Als die vereinbarten sieben Jahre bis zur Heirat
vorbei waren, sagte Jakob zu seinem Schwiegervater
Laban: „Gib mir nun meine Braut, denn die
Zeit ist da, dass ich zu ihr gehe“ (1 Mo 29,21).
Hiermit war die Geschlechtsgemeinschaft angesprochen.
Zweierlei geht aus dem Textzusammenhang hervor:
Vor der Ehe hat Jakob nicht sexuell mit Rahel verkehrt,
und die Ehe galt ab dem öffentlichen Fest der
Hochzeit.
- wenn ein Paar Intimverkehr gehabt hat:
Wenn in Israel ein Mann mit einem Mädchen geschlafen
hatte, musste er es auch heiraten und – wie
damals üblich – den Brautpreis zahlen
(5 Mo 22,28-29). Intime Beziehungen waren bis zur
offiziell geschlossenen Ehe nicht erlaubt.
Definition für Ehebeginn: Eine Ehe gilt erst dann –
auch vor Gott – als geschlossen, wenn sich Mann und Frau
dem in der jeweiligen Gesellschaft üblichen offiziellen
Ritual der Verheiratung unterzogen haben.
Diese Definition ist an allen biblischen Beispielen von Hochzeiten
nachvollziehbar. Hier finden wir folgendes biblische Auslegungsprinzip:
Aus einer Fülle von Einzelereignissen wird das allen gemeinsame
als eine biblische Lehre extrahiert. Ebenso ist diese Definition
auf jeden entlegenen Stamm mit seinen eigenen, innerhalb dieser
Gemeinschaft anerkannten Riten anwendbar wie auch für unseren
Kulturkreis mit der Einrichtung des Standesamtes. Wichtig ist
in allen Fällen, dass die Menschen der Umgebung in eindeutiger
und offizieller Weise darum wissen, dass hier zwei Menschen
in einer Ehe verbindlich zusammengehören. Sie stehen damit
anderen nicht mehr zur Partnerwahl zur Verfügung. Wenn
ein Mann eine verheiratete Frau (oder ein verheirateter Mann
eine andere Frau und umgekehrt) ansieht, um sie (ihn) zu begehren,
so wird er (sie) nach der Bergpredigt Jesu zum Ehebrecher (Mt
5,28). Der Frau am Jakobsbrunnen sagte Jesus, dass der Mann,
den sie hatte, nicht ihr (Ehe-) Mann war (Joh 4,18). Wäre
sie durch öffentlichen Eheschluss mit ihm verheiratet gewesen,
hätte Jesus nicht in dieser Weise mit ihr geredet. Die
Bibel legt nirgends die äußere Form der Eheschließung
fest, dennoch gibt es einen definierten Tag der Hochzeit, von
dem an Mann und Frau offiziell zusammengehören. Zur Zeit
Abrahams geschah dies anders (1 Mo 24,67) als bei Simson (siebentägige
Hochzeitsfeier: Ri 14,10-30) oder zur Zeit Jesu (Hochzeit zu
Kana: Joh 2,1-11). In der Bundesrepublik ist allein die standesamtliche
Trauung die öffentlich-rechtlich anerkannte Form des Ehebeginns,
die gemäß obiger biblisch abgeleiteter Definition
auch vor Gott als Ehe gilt. |
| |
|