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| FB35: Ist das Grabtuch von Turin das authentische Grabtuch Christi? |
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AB35:
Das Grabtuch von Turin, ein altes Leinentuch, 4,36m mal
1,10m groß, ist auf der ganzen Welt als das echte Grabtuch
Jesu gefeiert worden. Viele Menschen haben seine
Authentizität verteidigt. Papst Paul VI. verkündete, das
Tuch sei »die wichtigste Reliquie in der Geschichte der
Christenheit« (U.S. Catholic, Mai 1978, S. 48).
Das Bild auf dem Stoff soll das Abbild Jesu Christi sein
und den greifbaren Beweis für Tod, Begräbnis und Auferstehung
Christi darstellen. Viele haben es als das größte
Geheimnis der Welt bezeichnet. Die Verfechter des Tuches
behaupten, das Bild halte den Analysen des 20. Jahrhunderts
stand, es sei für Menschen unmöglich, es zu ›fälschen‹
oder zu ›kopieren‹.
Nach sehr intensiven Nachforschungen sind wir dazu
gekommen, das Tuch mit großer Skeptik zu betrachten. Es
scheint, daß viele Untersuchungen des Tuches im Licht
vorgefaßter Meinungen über die Authentizität des Tuches
durchgeführt worden sind.
Es gibt viele schwerwiegende Probleme mit der Ansicht,
das Tuch sei authentisch. Vor dem Jahr 1350 gibt es keinen
historischen Beweis, um die Authentizität oder auch nur
die Existenz des Tuches zu belegen. A.J. Otterbein schreibt
in The New Catholic Encyclopedia:
»Die unvollständige Dokumentation des Tuches läßt manche
zögern, seine Authentizität zu akzeptieren. Solche Bedenken sind
gerechtfertigt, wenn man nur die historischen Beweise berücksichtigt.
«
Fälschung
Um 1900 wurde in einer Sammlung von Dokumenten, die
Ulysses Chevalier gehörte, ein Brief gefunden. Der Brief
wurde 1389 von dem Bischof von Troyes an den Gegenpapst
von Avignon, Clemens VII. geschrieben.
Der Brief erklärte, eine Untersuchung habe den Künstler
entlarvt, der das Tuch bemalt habe, und dieser habe gestanden.
Viele seien beunruhigt, weil das Tuch zur finanziellen
Bereicherung verwendet werde. Der Brief lautete
weiter:
»Denn viele Theologen und andere weise Menschen haben
erklärt, daß dies nicht das wirkliche Grabtuch unseres
Herrn sein könne, mit dem eingeprägten Abbild des Erlösers,
weil das heilige Evangelium keinen solchen Abdruck
erwähnt hat; während, wenn es wahr wäre, unwahrscheinlich
ist, daß der heilige Evangelist unterlassen hätte, dies
zu berichten, oder daß die Tatsache bis zur heutigen Zeit
verborgen geblieben wäre.«
Der Brief fügte hinzu, der Fälscher sei entlarvt und verweist
darauf, daß »die Wahrheit bezeugt ist durch den
Künstler, der es bemalt hatte, nämlich, daß es ein Werk
menschlicher Geschicklichkeit sei und nicht wunderbar
bewirkt oder bewahrt«.
Seine Geschichte
Geoffrey de Charney erwarb das Tuch irgendwann vor
1356. Es wurde 1357 in einer Stiftskirche zu Lirey in Frankreich,
die Geoffrey gegründet hatte, zur Verehrung ausgestellt.
Doch Geoffrey starb 1356, ehe er enthüllt hatte, wie
er das Tuch bekommen hatte.
Das Tuch wurde eingeschlossen, als eine Untersuchung
es als Fälschung erwies. Dann reiste um 1449 Margaret de
Chamey, Geoffreys Enkelin, mit dem Tuch umher und
nahm Eintrittsgeld dafür. Im Jahre 1452 gab sie das Tuch
dem Herzog von Savoyen im Tausch gegen zwei Schlösser.
Es wurde in der Sainte Chapelle von Chambery untergebracht,
wo ein Feuer es am 3. Dezember 1532 beschädigte.
Emmanuel Philibert von Savoyen brachte das Tuch 1578
von Frankreich nach Turin. Ein Fotograf namens Secondo
Pia fotografierte das Bild auf dem Tuch im Jahre 1898. Zu
jedermanns Überraschung stellte sich der Abdruck auf dem
Tuch als Negativ heraus.
Entstehung des Bildes
Die Übertragung des Bildes auf das Tuch ist ein wichtiger
Schritt in der Erklärung, ob das Tuch das Ergebnis eines
Wunders ist oder nicht und ob es tatsächlich das Grabtuch
Jesu ist. Stünde es jenseits allen Zweifels fest, daß das Tuch
über natürliche Mittel hinausgeht, so hätten wir ein Wunder
und daher das Tuch Christi vor uns. Beide Seiten in
dieser Auseinandersetzung stimmen überein, daß das Bild
nach der Kreuzigung Christi entstanden sein muß.
Die Methoden, die für die Übertragung des Bildes auf
das Tuch vorgeschlagen wurden, sind 1.) Vaporographie;
2.) Brennen und Strahlung; 3.) Thermographie.
Vaporographie ist ein Prozeß, in dem die Mischung von
Spezereien, Aloe und Öl mit dem Ammoniak (Harnstoff)
im menschlichen Schweiß reagiert, in Form von Dämpfen
und so ein Abbild auf dem Stoff hinterläßt. Die einzige Bedingung
der Physik ist, daß die Dämpfe sich in geraden
Linien bewegen müssen, um das Bild zu formen.
Das Problem mit dieser Theorie besteht darin, daß nicht
alle Chemiker glauben, daß die Dämpfe sich in genauer
linearer Beziehung zu ihren Ursprungspunkten aus bewegen.
O’Gorman schrieb 1931, eine Möglichkeit, daß ein Vapograph
stattfinde sei gegeben durch die Hinzufügung
einer radioaktiven Substanz zu den Spezereien oder zum
Körper Christi selbst! Aber man muß dies als eine Spekulation
höchsten Maßes erkennen.
Eine andere Methode, die Popularität gewonnen hat und
in den »Proceedings« behandelt wird, ist das »Brennen«
oder der Prozeß, der stattfindet, wenn ein Körper genügend
Strahlung freisetzt, um das Bild in den Stoff einzubrennen.
Diese Theorie wurde durch das Zeugnis zweier
Wissenschaftler, Wade Patterson und Dave D. Myers vom
Lawrence Livermore Laboratory, zu Grabe getragen.
Sie sahen keine Möglichkeit, wie die Bilder des Tuches
auf natürliche Weise durch lonisierung oder nukleare oder
andere Hochenergiestrahlung entstanden sein könnten.
Röntgenstrahlen und Gammastrahlen gehören zu den
wichtigsten ionisierenden Strahlen, und die Bilder können
durch keine der beiden Arten hervorgerufen worden sein,
weil Hochspannungsgeräte notwendig sind, um Röntgenstrahlen
zu produzieren, und die einzigen natürlichen
Quellen für Gammastrahlen sind radioaktive Substanzen
wie Uran; außerdem wirken Röntgen- und Gammastrahlen
nicht auf die Weise auf Material ein, wie das Tuch es
zeigt.
Röntgen- und Gammastrahlen, so fuhren sie fort, gehören
zu den durchdringendsten Strahlungen; sie wären glatt
durch das Tuch hindurchgegangen, statt es zu markieren.
Eine sehr intensive Quelle ionisierender Strahlung, räumen
sie ein, wäre in der Lage gewesen, auf den Stoff einzuwirken,
aber, angesichts der gegebenen Faktoren – ein Leichnam,
das Verstreichen von Jahrhunderten, usw. – sahen
sie nicht, wie das möglich gewesen sein sollte.
Selbst wenn durch irgendeinen unwahrscheinlichen Zufall
der Leichnam radioaktiv gemacht worden wäre und
daher Röntgen- oder Gammastrahlen abgegeben hätte,
stünden die Bilder auf dem Tuch immer noch nicht in Übereinstimmung
mit der Art von Bildern, die unter diesen
Umständen hätten entstehen sollen. Röntgen- oder Gammastrahlen
werden, nach Patterson, von den Knochen stärker
absorbiert und so wären die Knochen und nicht die
Haut die am besten erkennbaren Stellen des Bildes.
Selbst wenn man eine radioaktive Substanz wie Uran –
das Gammastrahlen und Alpha- und Betateilchen abgibt,
die alle zu den ionisierenden Strahlungen gehören – auf
den Körper geschmiert hätte, wären nach Meinung der Wissenschaftler
nicht die Bilder des Tuches erschienen, sondern
bestenfalls eine Silhouette.
Wäre eine radioaktive Substanz in der Weise aufgebracht
worden, daß nur die Oberfläche betont wurde, so sei ihnen,
wie sie hinzufügten, noch keine Technik bekannt, um
den Stoff so zu präparieren, daß er Hochenergiestrahlung
registrieren könne. Röntgenstrahlen sind ein Beispiel für
das, was sie meinen; um das Vorhandensein von Röntgenstrahlen
festzustellen, ist Film notwendig. Wenn zur Zeit
des Begräbnisses über Jerusalem eine Atomexplosion stattgefunden
hätte, so wäre genügend Strahlung vorhanden
gewesen, um die Bilder in das Tuch zu ätzen, aber sie hätte
mit ihrer Intensität das Tuch selbst zerstört. Und selbst wenn
sie das Tuch nicht zerstört hätte, so wäre doch das Leinen
des Tuches auf ganz andere Weise angegriffen worden« (aus The Shroud, von Wilcox, S. 154, 155).
Eine dritte Methode zur Übertragung des Bildes wäre
eine schwächere Art der Strahlung, in Form von Hitze.
Diesen Prozeß nennt man Thermographie, und er wird
zum Nachweis von Brustkrebs angewendet. Dr. Jackson
und Dr. Jumper favorisieren die Methode als die wahrscheinlichste
für die Übertragung der Bilder.
»Sie hatten Computer eingesetzt, um die Daten der Fotos
zu analysieren und so die Idee überprüft, daß das Gesicht
proportional zum Abstand zwischen Körper und Tuch
einheitlich heller und dunkler war. Tatsächlich waren die
Abweichungen so einheitlich, … daß es für sie keinen Zweifel
daran gab, daß die Bilder durch irgendeinen ›physikalischen
Prozeß‹ – offensichtlich nicht durch menschliche
Kunst – entstanden waren, und sie neigten dazu, ein ›Thermogramm‹,
ein durch Hitze entstandenes Bild, zu favorisieren
« (aus The Shroud, von Wilcox, S. 175).
Doon Dr. Ernest Wood vom Neurologischen Institut in
New York setzt diesen Prozeß in Beziehung zum Tuch und
meldet als Ergebnis beträchtliche Zweifel hinsichtlich dieses
Prozesses an.
Die Thermographie, erläutert Dr. Wood, entstand aus
der Infrarotfotografie, die während des 2. Weltkriegs entwickelt
wurde; heute wendet man sie hauptsächlich zum
Nachweis von Brustkrebs an. Das dahinter stehende Prinzip
ist einfach: die Wärme, die der Körper ausstrahlt, wird
benutzt, um diagnostische Bilder zu machen, und die Bilder
sind Negative.
Aber es gibt, wie Dr. Wood feststellte, bedeutsame Unterschiede
zwischen den thermographischen Bildern und den
›Bildern‹ auf dem Tuch. Zum einen waren ausgeklügelte
Geräte notwendig, um die Körperwärme so zu verstärken,
daß ein Bild registriert werden konnte: Die Vervielfachung
liegt im Bereich von einer Million. Zum anderen wurden die
thermographischen Bilder auf Polaroidfilm, nicht auf Stoff,
festgehalten (aus The Shroud, von Wilcox, S. 171, 172).
Das Ausmaß der millionenfach verstärkten Hitzestrahlung
würde mit seiner Intensität den Stoff aller Wahrscheinlichkeit
nach zerstört haben.
Diejenigen, die behaupten, schwache Strahlung habe
das Bild hervorgerufen, müssen der Brechung des sichtbaren
Lichts Rechnung tragen. Sie erklären dies mit der angenommenen
Schweißschicht auf dem Körper, die als Brechungslinse
gedient haben soll, indem sie die Strahlung in
die notwendigen linearen Säulen bündelte, um das Bild
hervorzurufen (also ein wichtiger Grund dafür, daß der
Körper ungewaschen sein muß).
Wenn man den Schweiß entfernt, entfernt man den Mechanismus
für die Scharfeinstellung. Dr. Mueller nannte
diese ganze Theorie lächerlich, da Hunderte von Linsen,
ähnlich einem Fliegenauge, über den ganzen Körper verteilt,
notwendig gewesen wären, um die Strahlung einzustellen.
Schweiß würde einfach nicht funktionieren.
Es ist auch wichtig, daß die diskutierte sichtbare schwache
Strahlung Bilder in einem Abstand von weniger als 5 cm
vom Körper produziert. Bei größerem Abstand sinkt die
Strahlungsintensität auf Null und würde kein Bild hinterlassen.
Der durchschnittliche Abstand auf dem Tuch beträgt
3cm, was die bildformenden Eigenschaften der Strahlung
bedeutend schwächt, und es sind auf dem Tuch noch größere
Abstände zu überbrücken, die kein Bild ergeben sollten,
wenn Wärmestrahlung die Ursache war.
Man muß auch bedenken, daß der Mechanismus für
Wärmestrahlung, den die Verfechter anführen, auf reiner
Spekulation beruht; es gibt keinen Beweis dafür. Bestenfalls
handelt es sich um wilde Vermutungen.
Dr. Marvin Mueller ist seit 20 Jahren Mitarbeiter des Los
Alamos Scientific Laboratory in New Mexico und hat auf
verschiedenen Gebieten der Physik experimentelle und
theoretische Forschung betrieben. In den letzten acht Jahren
arbeitete er am Laser Fusion Energy Project und ist auf
diesem Gebiet für seine theoretischen Beiträge und streitbaren
Bestrebungen international bekannt.
In einem Brief schreibt Dr. Mueller: »Einige Wissenschaftler,
Mitglieder des Shroud of Turin Research Project
(STURP), haben behauptet, das experimentelle Ergebnis
ihrer Untersuchung zeige, daß das Tuch tatsächlich den gekreuzigten
Leichnam Jesu Christi eingehüllt habe.
Ihr Hauptgrund für die Erklärung der Authentizität des
Tuches beruht auf der Behauptung, das Bild des Tuches
könne nur durch einen ›kurzen Ausbruch von Strahlung‹
hervorgerufen worden sein, die von dem Leichnam ausging
und das Bild in den Stoff einbrannte, von dem er bedeckt
war.
Ein solches Ereignis wäre natürlich wunderbar, aber genau
das ist es, was sie brauchen, um die Authentizität nachzuweisen;
denn kein natürlicher Prozeß der Bildentstehung
könnte zu dem Schluß führen, der Körper, der das Bild
hervorrief, sei der von Jesus Christus gewesen.
Doch ihre Behauptungen halten näherer Untersuchung
nicht stand und scheinen größtenteils auf Wunschdenken
zu beruhen. Zum einen haben sie nicht bewiesen, daß das
Bild des Tuches eingebrannt ist, obwohl es einige der entsprechenden
Eigenschaften, wie Farbe und Hitzebeständigkeit
besitzt.
Andere Substanzen, die hätten verwendet werden können, um
das Bild mit künstlichen Mitteln hervorzurufen, besitzen ebenfalls
diese Eigenschaften und sind tatsächlich auf dem Bild gefunden
worden. Diese Tatsache allein laßt jeden Anspruch auf
Authentizitat ziemlich töricht erscheinen.
Außerdem hat STURP nicht bewiesen, daß das Bild mit
Hilfe von Strahlung oder einem anderen Mittel durch den
Zwischenraum vom Körper auf den Stoff übertragen wurde.
Während die Details zu kompliziert sind, um hier erklärt
zu werden, so kann man doch sagen, daß STURP
nichts weiter getan hat, als eine Beziehung zwischen der
Dichte (Dunkelheit) des Bildes auf dem Tuch und den Abständen
zwischen Stoff und Körper herzustellen, die mit
Hilfe einer Testperson gemessen wurde, über die man ein
Tuch legte.
Aber eine Beziehung impliziert noch keine Kausalität.
Zum Beispiel könnte man, zumindest prinzipiell, die Prozedur,
die STURP angewendet hat, um eine Statue von dem
›Mann des Tuches‹ zu konstruieren, ebenfalls verwenden,
um aus einem Abreibebild nach der Methode von Joe Nikkell
ein Vollrelief (oder eine Statue) zu rekonstruieren.
Die Tatsache, daß man unter Anwendung der oben beschriebenen
Methode eine Statue nach dem Bild des Tuches
hergestellt hat, besagt so gut wie nichts über die Methode,
durch die das Bild entstanden ist. Besonders die Abreibemethode
kann, da sie sehr variabel und anpassungsfähig
ist, in großem Umfang Farbabstufungen für ein gegebenes
Flachrelief erbringen und kann dabei die ›dreidimensionalen‹
Merkmale des Bildes beinahe beliebig variieren.
Folglich sind die beiden Behauptungen, auf denen die
Hypothese vom ›kurzen Ausbruch von Strahlung‹ beruht,
nicht aufrechtzuerhalten. Jeder Anspruch des Grabtuches
von Turin auf Authentizität ist so voreilig, daß er lächerlich
wird.«
3-D-Bild
Eine Behauptung der Verfechter des Tuches besagt, daß das
Bild auf dem Stoff mit Hilfe eines YP-8 Bildanalysegerätes
als 3-D-Bild reproduziert werden kann. Dieses Gerät soll
Farbwerte in ein dreidimensionales Relief oder Bild mit sehr
geringer Verzerrung umwandeln.
Dr. Jackson und Dr. Jumper stellen fest: »Ein wohlbekanntes
Argument war, daß ein Künstler, der vor dem 14.
Jahrhundert gelebt haben muß, kein einheitliches negatives
Bild hätte herstellen können, ohne die Möglichkeit,
seine Arbeit durch fotografische Inversion zu überprüfen.
Ähnlich unterstellen wir, daß ein Künstler oder Fälscher,
der damals lebte, nicht in der Lage gewesen wäre, dreidimensionale
Informationen zu verschlüsseln, indem er die
Intensitätsstufen seiner Arbeit so einstellte, daß sie überall
den tatsächlichen Abständen zwischen Stoff und Körper
entsprachen.
Um diesen Punkt zu beweisen, führten wir ein Experiment
durch. Wir besorgten uns Fotos von den Arbeiten
zweier fähiger Maler, die beauftragt worden waren, das
Tuch so genau wie möglich zu kopieren.
Dann übertrugen wir diese Bilder in Reliefbilder, um zu
sehen, wie gut jeder der Künstler die Dreidimensionalität
des Tuches in seinem Gemälde eingefangen hatte. Zu dieser
Zeit waren beide Künstler sich der dreidimensionalen
Eigenschaft nicht bewußt.
In dieser Situation half es nicht, die Relieftiefe zu variieren,
da die Verzerrungen dieser Bilder nur proportional
verändert, aber nicht eliminiert wurden. Da zwei fähige Künstler, die das Tuch selbst als Kopiervorlage hatten, nicht
in der Lage waren, ein fehlerfreies dreidimensionales Bild
nach dem Tuch zu produzieren, scheint es abwegig, daß
ein mittelalterlicher Künstler eine solche Leistung vollbracht
haben sollte, ohne daß das Tuch als Vorlage verfügbar
war.
Tatsächlich betrachten wir es als eine Herausforderung
für die Technologie vor dem 20. Jahrhundert, das deutliche
dreidimensionale Bild eines menschlichen Körpers entweder
durch Kunstfertigkeit oder durch irgendwelche anderen
verfügbaren Mittel auf ein Tuch zu bringen« (aus The
1977 Research Proceedings on the Shroud of Turin, S. 85).
John German, ein Kollege von Dr. Jackson und Dr. Jumper,
weist darauf hin, daß die Qualität des Bildes von der
Einstellung des Gerätes abhängig sei:
»Die Natur dieser Beziehung enthüllte eine wichtige Fehlerquelle
in der Konstruktion des dreidimensionalen Bildes
auf dem Tuch. Das Bild auf dem Tuch entstand durch
einen Prozeß, der eine nichtlineare Beziehung zwischen
der Bildintensität und dem Abstand zwischen Stoff und
Körper verursachte.
Das Bildanalysegerät stellt jedoch ein dreidimensionales
Bild her, in dem das Relief (analog zum Abstand Stoff –
Körper) linear zur Intensität variiert. Das praktische Ergebnis
dieser linearen Beziehung ist eine Verzerrung des Bildes.
Wenn die Relieftiefe so reduziert wird, daß ein Bild
mit realistischer Nase und Stirn entsteht, besitzen die flacheren
Stellen des Bildes, entsprechend dem großen Abstand
zwischen Stoff und Körper, wenig oder kein Relief.
Wird andererseits jedoch die Relieftiefe verstärkt, um
die flachen Stellen des Bildes besser herauszubringen, verlieren
Nase und Stirn ihre Proportionen« (aus Proceedings,
S. 235).
Die Frage betrifft hier die Linsen, die verwendet werden,
um die farblichen Verzerrungen zu korrigieren und
ein Gerät, das weitgehend von Simulation abhängt: Ist das 3-D-Bild des Grabtuches so vollkommen, daß es als wunderbar
betrachtet werden kann?
Darüber hinaus muß berücksichtigt werden, daß ein dem
Bild des Tuches ähnliches menschliches Modell notwendig
ist, um den Abstand zwischen Stoff und Körperoberfläche
in Verbindung zu bringen und so das nötige Bild zu
erhalten.
Danach muß der Stoff auf dem Modell geglättet werden
(was Verzerrungen verursacht), und die Kamerabilder
müssen auf die Stoffabstände eingestellt werden. Die Frage
ist hier: Woher können Sie wissen, ob Sie ein 3-D-Bild
des Grabtuches hergestellt haben oder einfach das Bild des
Grabtuches über einem lebenden Mann?
Dr. Mueller stellt fest: »Die relative Dunkelheit des Bildes
wird bestimmt, indem man eine Fotografie des Bildes
auf dem Tuch optisch abtastet. Als nächstes wird die Beziehung
zwischen den Dunkelwerten des Bildes und dem
Abstand Stoff-Körper berechnet. Um die Wechselbeziehung
zu maximieren, werden zahlreiche Korrekturen am Faltenwurf
des Stoffes vorgenommen.
Die letzte korrigierte Korrelation ist ziemlich gut, und
eine leicht abfallende Funktion, die sich dem Exponenten
nähert, wird gezogen. Doch abgesehen von Meßfehlern
und den Glättungen, die durch das Ziehen einer Funktion
aus vereinzelten Daten entstehen, erhält man genau das 3-
D-Bild des menschlichen Modells, das man für das Experiment
ausgewählt hat!
Die Ironie besteht darin, daß der Glättungsprozeß selbst
eine Verzerrung des Reliefs verursacht, aber er bietet auch
die Möglichkeit, einige der Charakteristika des Bildes auf
dem Tuch auf das Relief des menschlichen Modells zu übertragen.
Daher stellt die so entstandene ›Statue‹ eine Mischung
aus den Merkmalen des menschlichen Modells und des
Bildes auf dem Tuch dar – nicht, wie behauptet wurde, eine
Statue des Mannes auf dem Tuch.
Was STURP gezeigt hat, ist, daß man eine recht gute Korrelation
erhalten kann zwischen den Dunkelwerten des Bildes
auf dem Tuch und dem Stoff-Körper Abstand, den man
erhält, wenn ein bestimmter menschlicher Körper der richtigen
Größe mit einem bestimmten Stoff bedeckt wird, der
in einer bestimmten Weise drapiert ist. Aber da Korrelation
nicht gleich Kausalität ist, ist das alles, was STURP erreicht
hat« (aus The Los Alamos Monitor, 16. Dezember 1979,
S. B6).
Blutflecke
Angebliche Blutflecke auf zwei kleinen Partikeln und 12
Fasern des Grabtuches wurden auf ihre Authentizität hin
untersucht. Vor den letzten Prüfungen des Grabtuches
waren die Wissenschaftler der Meinung, es gebe keine
schlüssigen Beweise dafür, daß die Flecken im Stoff menschliches
Blut seien (Thomas Humber, The Sacred Shroud, S. 178).
Neuere Tests aus dem Jahr 1978 führten die Verfechter zu
der Ansicht, daß »die mit Blut befleckten Stellen die spektralen
Merkmale von menschlichem Hämoglobin aufweisen
« (S.F. Pellicori, »Spectral Properties of the Shroud of
Turin«, Applied Optics, 15. Juni 1980, Vol. 19, Nr. 12, S. 1913-
1920). Das Problem bleibt jedoch bestehen, daß ein Fälscher
mit der richtigen Methode logischerweise auch menschliches
Blut verwenden würde, um das Bild so realistisch wie
möglich zu machen. Das Vorhandensein von Blut und
Hämoglobin auf dem Tuch ist kein gültiger Beweis, um den
Anspruch auf Authentizität zu rechtfertigen.
Duplikat
Die Verteidiger des Grabtuches führen verschiedene Beweise
an, um ihre Behauptung der Authentizität zu stützen.
Solche Beweise waren 1.) keine Pinselspuren; 2.) kein
Eindringen des Bildes in die Fasern (es ist ein rein oberflächliches Phänomen); 3.) Vorhandensein eines Pulvers,
das angeblich aus Aloe besteht; 4.) die »Pollenfossilien«, die
auf dem Stoff gefunden wurden und angeblich aus der Zeit
Christi stammen sollen.
Das meiste davon beantwortete ein Flachrelief, das von
Joe Nickell geschaffen wurde. Eine Reproduktion des Bildes
findet man auf der Ausgabe des The Humanist vom Nov.-
Dez. 1978 und auf der Ausgabe von Popular Photography vom
Nov. 1979.
Nickell verwendet nur Materialien und Methoden aus
dem 14. Jahrhundert, um ein negatives Abbild wie das auf
dem Tuch nachzubilden oder zu duplizieren. Diese Technik
bringt ein Negativ hervor.
Er malte dieses Bild nicht, sondern benutzte ein Flachrelief,
legte ein feuchtes Tuch darauf, und als es getrocknet
war, verwendete er einen Schmierer, um pulverförmigen
»Farbstoff« einzureiben. Nickell benutzte eine Mischung
von Myrrhe und Aloe. Sie hinterließ keine Pinselspuren.
Nickell schreibt: »Meine Reibungen wirken, selbst bei
genauer Untersuchung, als seien sie ohne ›Farbstoff‹ geschaffen
worden. Ich verwendete eine Mischung von Begräbnisspezereien
– Myrrhe und Aloe – was die ›wie eingebrannte‹
Farbe und zahlreiche andere Merkmale dupliziert.
Es ist interessant festzustellen, daß (laut Encyclopedia Americana,
1978) Aloe tatsächlich »als Färb- und Farbstoff gedient
hat«.
Ein wichtiger Punkt ist, daß dieser ›Farbstoff‹ nicht in
die Fasern eindringt und ein (wie es von der Färbung des
Grabtuchs gesagt wird) reines ›Oberflächenphänomen‹
bleibt – was sich durch Querschnitte und mikroskopische
Untersuchungen nachweisen läßt …
Zwei Mitglieder der geheimen (und später bekanntgegebenen)
offiziellen Grabtuchkommission, die im Jahre
1969 damit beauftragt wurde, das Tuch zu untersuchen, äußerten
die Vermutung, das Bildwerk sei das Ergebnis einer künstlerischen Drucktechnik, die ein Model oder Matrizen
verwendet habe. Das ist eine recht genaue Beschreibung
der Technik, die ich für erfolgreich gefunden habe.
Enthusiasten des Grabtuchs bleiben dabei, daß sie ›keine
Hinweise auf Farbstoff‹ an dem Stoff gefunden haben,
obwohl es, wie berichtet wird, Beweise für ein ›Pulver‹ gibt,
das Aloe sein soll. Sie weisen darauf hin, daß es keine Pinselstriche
gibt; daß es rund um die Brandlöcher (von einem
Brand der Kapelle im Jahre 1532) keine Nachdunkelung
von bedruckten Stellen gibt; und daß das Bildwerk
keine ›Direktionalität‹ (wie von Pinsel- oder Fingergebrauch)
aufweist. Das sind jedoch alles Merkmale meiner
Technik!
Der Bericht erwähnte nicht die Entdeckung verschiedener
gelbroter bis orangefarbener ›Kristalle‹ (oder ›Körnchen‹)
und bestimmter ›Kügelchen‹, die zu dem Vorhandensein
von Myrrhe und Aloe passen. Diese Spezereien
(dem Fälscher auf der zweimal im Jahr stattfindenden
Champagne-Messe oder bei seinem örtlichen Apotheker
verfügbar) enthielten wahrscheinlich die ›Pollenfossilien‹
aus dem Nahen Osten, die sich auf dem Stoff befunden
haben sollen« (The Shroud, Christian Life, Februar 1980,
Vol. 4, Nr. 10).
Das Negativ eines Fotografen zeigte ein positives Bild
von »lebensähnlicher« Qualität. Dr. Mueller sagt von Nikkells
Bild:
»Joe Nickell beschreibt seine Abreibmethode zur Herstellung
grabtuchähnlicher Negativbilder von Flachreliefs.
Zumindest qualitativ ist die Ähnlichkeit verblüffend und
geht bis zur mikroskopischen Tiefe der Farbdurchdringung
der Fasern. Die Abreibmethode kann, selbst bei gleichbleibendem
Flachrelief, durch Veränderung von Schmierergröße,
Druck und Modellierung des Stoffes leicht variiert werden,
um Bilder von ganz unterschiedlichem Charakter herzustellen.
So können die 3-D-Merkmale von Abreibungen
beinahe beliebig variiert werden« (»Shroud: Real McCoy or Hoax? »Los Alamos Monitor, 16. Dezember 1979).
Christi Grabkleider
Der wohl vernichtendste Beweis gegen die Authentizität
des Grabtuches ist der Widerspruch zwischen dem Begräbnisvorgang,
wie das Tuch ihn nahelegt und den Berichten
über das Begräbnis Christi im Neuen Testament.
»In alter Zeit wurde das Haar geschnitten (T.B., Moed.
Kat., 8b), aber heute wird es nur gewaschen und neun Maß
kaltes Wasser werden anschließend über den Leichnam gegossen
(dabei richtet man mancherorts den Toten auf), und
dies stellt die eigentliche religiöse Reinigung da …
Der Leichnam wird natürlich sorgfältig abgetrocknet,
wobei man darauf achtet, ihn nicht unbedeckt zu lassen.
Frauen werden durch Angehörige ihres eigenen Geschlechts
demselben Reinigungsprozeß unterzogen. In
Apostelgeschichte 9,37 finden wir das Beispiel einer Frau
in neutestamentlicher Zeit, die vor dem Begräbnis gewaschen
wird.
Früher war es Brauch, den Leichnam nach der Reinigung
mit verschiedenen Arten aromatischer Spezereien zu
salben … Man wird sich erinnern, daß Jesus, als Maria unnötige
Verschwendung von Salböl vorgeworfen wurde,
ausrief: Laß sie, damit sie es für den Tag meines Begräbnisses
tue‹ (Joh. 12,7). Und wir sehen, daß später eine Mischung
von Myrrhe und Aloe von ungefähr 100 Pfund Gewicht
für den Leichnam Jesu gebracht wurde (Joh. 19,39).
Nachdem der Reinigungsritus gemäß dem Brauch
durchgeführt worden ist, wird der Leichnam in Grabkleider
gehüllt (Misch. Sanhed. 6.5) … Sie sind identisch mit
den sindon des Neuen Testaments (vgl. Matth. 27,59 usw.)
und bestehen aus weißem Leinen, ohne die geringste Verzierung,
und müssen makellos sein.
Sie sind gewöhnlich das Werk der Frauen und werden
einfach aneinandergesetzt. Knoten sind nicht erlaubt, nach
einigen als Symbol dafür, daß der Geist des Toten losgelöst
ist von den Sorgen des Lebens, aber nach der Meinung anderer als Ausdruck des Wunsches, daß die Knochen des
Toten schnell in den ursprünglichen Staub aufgelöst werden
mögen (Rokeach, 316). Kein Leichnam, männlich oder
weiblich, darf in weniger als drei Gewänder gehüllt werden
« (aus The Jewish Quarterly Review, Vol. 7, 1895, S.
260,261).
Mehrere Probleme entstehen, wenn die Verfechter des
Grabtuches das Neue Testament studieren. Das erste besteht
aus einem Widerspruch hinsichtlich des Grabgewandes.
Durch die jüdischen Bestattungsgebräuche und das
Neue Testament wird deutlich, daß mehrere Stoffstücke bei
dem Begräbnis Christi vorhanden waren, nicht ein einziges
Stück Material, wie das Tuch.
Johannes 20,5-7 zeigt eindeutig, daß ein besonderes Tuch
um den Kopf Christi gelegt wurde. Man fand es getrennt
von den Körperhüllen. Doch der Stoff von Turin zeigt das
Gesicht auf demselben Tuch, wie den Rest des Körpers.
Der Text weist nicht nur auf mehrere Stücke Stoff, die
für den Körper Christi gebraucht wurden, sondern sagt
auch, daß es sich um »Binden«, »Hüllen« oder »Leinenbinden
« handelte, wie sie für Mumien verwendet wurden.
Noch bezeichnender als die Worte, die gebraucht wurden,
um die Bestattung Christi mit Leinenbinden zu beschreiben,
sind kalytto (1.Kön. 19,13) und periballo (1. Mose
38,34), die Worte, die in der Septuaginta speziell für Gewänder
wie das Grabtuch verwendet werden, die sich aber
im Text des Neuen Testaments nicht finden. Ihr Fehlen ist
sehr bedeutsam.
Zweitens gebraucht der Begräbnisbericht im Johannesevangelium
(19,40) eine Pluralform: Leinenbinden. Tatsächlich
stimmen alle Erzählungen der Evangelien überein, daß
der Körper Christi ›umwickelt‹ oder ›eingehüllt‹ wurde.
»Josef nahm ihn und hüllte ihn in ein reines Leinentuch«
(Matth. 27,59).
»Josef kaufte ein Leinentuch, nahm Jesus vom Kreuz und
wickelte ihn in das Tuch« (Mark. 15,46).
»Und er nahm ihn vom Kreuz, hüllte ihn in ein Leinentuch
« (Luk. 23,53).
»Sie nahmen den Leichnam Jesu und umwickelten ihn
mit Leinenbinden, zusammen mit den wohlriechenden Salben,
wie es beim jüdischen Begräbnis Sitte ist« (Joh. 19,40).
Das Verb entylisso, das von Matthäus und Lukas verwendet
wird, bedeutet einwickeln, einhüllen. Markus gebraucht
eneileo, was einwickeln, einkeilen bedeutet. Johannes, der
ein Augenzeuge war, sagte eindeutig, daß der Körper Christi
umwickelt wurde. Das Verb deo bedeutet ›binden‹ oder
›anbinden‹ im Sinne von fesseln.
So ist im Licht der Textzeugnisse durch Wortwahl und
-stellung der Schluß wohlbegründet, daß Jesus, wie Johannes
ausdrücklich beschrieb, mit Leinenbinden umwickelt und nicht in ein Tuch eingehüllt wurde. Die Worte über
den Stoff zeigen das deutlich. Die verwendeten Verben
bestätigen es, und die spezielle Wortwahl macht es unausweichlich.
Ein drittes Problem mit dem Tuch von Turin besteht darin,
daß die Verfechter des Grabtuches zugeben, seine Authentizität
hänge davon ab, daß der Körper nicht gewaschen
wurde. Das ist aus mehreren Gründen von Bedeutung:
1.) das angebliche Vorhandensein von getrocknetem
Blut an dem Körper, der nicht gewaschen war und 2.) die
Notwendigkeit für Todesschweiß als Brechungslinie für die
Strahlung, um das Bild festzuhalten.
Ian Wilson vertritt die Ansicht, daß der Körper Christi
nicht gewaschen wurde. Er schreibt:
»Manche haben behauptet, das Waschen sei ein vorgeschriebenes
Ritual gewesen, das ohne Rücksicht auf den
Sabbat habe durchgeführt werden dürfen. Einige hervorragende
Kenner des Neuen Testaments teilen diese Meinung
nicht. Selbst unter den besten Exegeten scheint es
kaum größeren Widerspruch gegen die Auffassung zu geben,
daß einfach nicht genug Zeit war, um den Körper Jesu
vor dem Sabbat zu waschen, besonders im Hinblick auf die verschiedenen jüdischen Vorschriften, die mit diesem
Ritus verbunden sind.
Wenn es, wie die Ereignisse zeigen, ebenfalls unmöglich
war, diesen Ritus nach dem Sabbat auszuführen, so
kann man eine gewisse Zurückhaltung seitens der Evangelisten
verstehen, dies direkt zuzugeben. Nur unter der Voraussetzung,
daß Jesus nicht gewaschen wurde, kann die Authentizität
des Grabtuches aufrechterhalten werden« (aus The Shroud
of Turin, von Ian Wilson, S. 56).
Die obigen Schlußfolgerungen sind bestenfalls falsch.
Die Vorstellung, es sei wegen des nahenden Sabbat keine
Zeit mehr gewesen, den Körper reinzuwaschen, ist ebenso
schwach, da die Bibel sagt, daß man noch genügend Zeit
hatte, den Körper mit 100 Pfund Spezereien zu salben. Dies
wird ebenfalls deutlich durch die Tatsache, daß ein Leichnam
tatsächlich auch am Sabbat gewaschen und gesalbt
werden konnte.
»Der Leichnam kann jedoch am Sabbat gewaschen und
gesalbt werden, vorausgesetzt, daß die Glieder nicht aus
den Gelenken gezogen werden; das Kissen mag unter dem
Kopf fortgenommen und der Körper mag auf Sand gelegt
werden, um ihn länger vor Verwesung zu bewahren; der
Kiefer mag auch festgebunden werden, nicht um ihn weiter
zu schließen, sondern um zu verhindern, daß er sich
weiter öffnet« (Misch. Schab. 33,5, aus The Jewish Quarterly
Review, 1895, Vol. 7, S. 118).
Johannes könnte und würde nicht gesagt haben, die jüdischen
Begräbnissitten seien befolgt worden, hätte man
den Leichnam nicht gewaschen.
Die Spezereien
Ein viertes Problem für die Harmonisierung des Grabtuches
mit dem Begräbnisbericht des Neuen Testaments betrifft
die Spezereien. Der Körper hätte gewaschen werden
müssen. Ian Wilson stellt fest:
»Johannes sagt uns, daß Nikodemus, der Josef von Arimathia
half, eine Mischung von Myrrhe und Aloe brachte,
die ungefähr 100 Pfund wog. Er sagt uns auch, daß diese
zusammen mit dem Körper in das Grableinen eingewikkelt
wurde (Joh. 19,39-40). Wären solche Spezereien zum
Salben verwendet worden, so wäre es nach dem jüdischen
Ritual und nach jeder anderen Kultur notwendig gewesen,
den Körper zuerst zu waschen.
Da das Grabtuch deutlich zeigt, daß der Körper nicht
gewaschen wurde, und da das genannte Gewicht der Spezereien
selbst für die verschwenderischste Salbung weit
übertrieben wäre, scheint die wahrscheinlichste Erklärung
zu sein, daß es sich um trockene Bündel von Aromastoffen
handelte, die als Mittel gegen Verwesung um den Körper
gepackt wurden« (aus The Shroud of Turin, von Wilson, S.
56, 57).
Selbst wenn die Spezereien auf den Körper aufgebracht
wurden, wie die Evangelien ausdrücklich bestätigen, hätte
das Bild nicht durch Strahlung auf den Stoff übertragen
werden können, wie die Verteidiger des Grabtuchs behaupten.
Andere Grabtücher
Viele Menschen sind mit der Tatsache nicht vertraut, daß
nach den Kreuzzügen gleichzeitig mit dem Turiner Tuch
viele verschiedene Grabtücher im mittelalterlichen Europa
zirkulierten. Man schätzt, daß mehr als vierzig ›echte‹ Grabtücher
im Umlauf waren. Viele werden heute noch gezeigt.
Münzen
Es werden Berichte verbreitet über eine Münze auf dem
rechten Auge, die aus den Jahren 29-32 n.Chr. stammt. Der
Reverend Francis L. Philas, Professor für Theologie an der
Loyola Universität in Chicago, berichtet, daß vier griechische Buchstaben, YCAI, auf der Münze Teil der Inschrift
›von Tiberius Cäsar‹ seien.
Es ist die Auffassung der Autors, daß die völlig unverständlichen
Buchstaben YCAI lauten müssen und daß der
Münzpräger entweder betrunken oder unwissend gewesen
sein muß, um sie so zu prägen. Die Münztheorie wirft
viele Fragen hinsichtlich des Grabtuches auf. Die Theorie
zur Erklärung der Übertragung des Bildes auf den Stoff
erfordert, daß der Körper nicht gewaschen war, da der getrocknete
Schweiß notwendig war, um die Strahlung zu
verstärken. Die Münze würde jedoch jede Verstärkung der
Strahlen gebrochen haben. Außerdem besagen die verschiedenen
Theorien zur Übertragung des Bildes, daß der Körper
nicht für das Begräbnis vorbereitet und daher nicht gewaschen
worden sei. Es ist schwer vorstellbar, daß man einem
Leichnam, der nicht gewaschen oder für das Begräbnis
vorbereitet worden war, Münzen auf die Augen (in diesem
Fall auf das rechte Auge) legen würde.
Kein Zeugnis des Neuen Testaments
Es ist völlig undenkbar, daß die Apostel und Christen in
den ersten Jahren des Christentums ein Tuch nicht erwähnt
hätten, das das eingebrannte Bild des gekreuzigten und
auferstandenen Christus trüge. Angesichts des Todes verkündeten
alle, daß Christus lebe. Sie legten ständig in den
feindseligsten Situationen persönliches Zeugnis ab von
dem Erscheinen des auferstandenen Christus. Ist es vorstellbar,
daß niemand, besonders unter den Verfassern des
Neuen Testaments und den Kirchenvätern, jemals das
Grabtuch in Verbindung mit Christus und seiner Auferstehung
erwähnt hätte?
Schlußfolgerung
Die Beweise stützen bisher in keiner Weise die Authentizität des Tuches als Grabtuch Christi. |
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